![]() |
TANYAS INFORMATIONSCENTRUM ÜBER CHRONISCHES NIERENVERSAGEN (CNI) BEI KATZEN
WIE SCHLIMM STEHT ES UM MEINE KATZE?
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Einführung
Wie schlimm ist es? Das ist vermutlich die allererste Frage, die man sich nach der Diagnose stellt. Dieses Kapitel soll Ihnen dabei helfen, ein wenig zu verstehen, was die Blutwerte bedeuten und erklären, warum es nicht so schlimm ist wie es klingt, wenn Ihr Tierarzt Ihnen sagt, dass Ihre Katze eine gewisse Prozentzahl an Nierenfunktion verloren hat.
Sollte Ihr Tierarzt Ihnen gesagt haben, dass es keine Hoffnung mehr für Ihre Katze gibt und Ihnen die Einschläferung empfohlen haben, dann möchte ich Sie ganz dringend bitten:
bevor Sie die unwiderrufliche Entscheidung treffen, Ihre Katze einschläfern zu lassen.
There are a number of ways in which the vet can determine how advanced your cat's case is. Most vets will start with bloodwork, and many will also analyse your cat's urine (urinalysis).
Die Blutwerte verraten dem TA bereits eine Menge über die Nierenfunktionsfähigkeit einer Katze. BUN (Harnstoff) und Kreatinin sind von den Blutwerten die beiden wichtigsten Messwerte. Viele TÄ stützen sich dabei auf die von der International Renal Interest Society vorgeschlagenen Kategorien, die die CNI in vier Stadien einteilt:
*Es ist normal, dass eine CNI nicht entdeckt wird, bevor nicht mindestens 66 Prozent der Funktionsfähigkeit verloren gegangen sind, da normalerweise vorher keine Symptome auftreten, siehe unten. Aus diesem Grund werden bei Katzen im ersten Stadium Nierenprobleme häufig nur dann entdeckt, wenn eine anatomische Auffälligkeit oder funktionale Missbildung festgestellt wurde. Auf jeden Fall sollten bei einer stabilen Katze zwei Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden – idealerweise in nüchternem Zustand (was aber bei einer CNI-Katze nicht immer wünschenswert ist), bevor die Diagnose CNI bestätigt wird. Spezifisches Gewicht des Urins Aufgrund ihres Wüstenerbes konzentrieren gesunde Katzen ihren Urin stark. Die normale Spanne liegt zwischen 1.008 bis 1.060. Aber bei einer Katze mit etwas verdünnterem Urin unter 1.040 erwartet man, dass ein Problem vorliegt. Bei einer CNI-Katze wird das spezifische Gewicht vermutlich zwischen 1.008 und 1.012 liegen. Weitere Ursachen für verdünnten Urin können sein: Lebererkrankungen, Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion oder die Behandlung mit Kortikosteroiden. Auch bei Katzen mit einer Pyelonephritis (Niereninfektion) kann ein niedriges spezifisches Gewicht auftreten. Wenn eine Katze aber regelmäßig Infusionen erhält, ist dieser Test sehr unzuverlässig. The International Renal Interest Society (Seite 3 und 4 für Katzen) bietet Informationen an über die Aussagekraft eines Tests auf spezifisches Gewicht bei Katzen. The International Renal Interest Society (Seite 3 und 4 für Katzen) weist auf die Bedeutung einer Proteinurie hin, um einschätzen zu können, wie weit die CNI einer Katze bereits fortgeschritten ist.
Bei gesunden Katzen finden sich nur kleine Mengen an Protein im Urin, weil ihre Nieren es nicht erlauben, durchzusickern. Bei CNI-Katzen ist diese Funktion jedoch gestört, und dadurch befindet sich ein Übermaß an Protein im Urin wieder. Das nennt man eine „Proteinurie", manchmal wird sie auch „Mikroalbuminurie" genannt. Denn die Hauptproteinsorten, die durchsickern, sind Albumin und Globulin.
Ob eine Katze eine Proteinurie hat, wird häufig durch den Protein/Kreatinin-Test (UP/C) diagnostiziert:
Relation of survival time and urinary protein excretion on cats with renal failure and/or hypertension (2004) Syme H.M., fand heraus, dass Katzen mit einer Urinprotein:Kreatininratio unter 0.5 fast dreimal länger überlebten als Katzen mit einer Urinprotein:Kreatininratio von über 0.5. Survival of cats with naturally occurring chronic renal failure is related to severity of proteinuria (2006) Syme H.M., Markwell P.J., Pfeiffer D. & Elliott J. Journal of Veterinary Internal Medicine 20 pp528–535 bestätigt die Ergebnisse der oben erwähnten Studie.
Daher ist es hilfreich, wenn Sie möglichst frühzeitig wissen, ob bei Ihrer Katze eine Proteinurie vorliegt, damit Ihr TA sie kontrollieren kann (siehe Behandlungsmöglichkeiten).
Idexx Laboratories bietet jetzt einen neuen Test in einer Reihe von Ländern an, durch den die Protein:Kreatininratio berechnet wird. Auf der deutschen Webseite von Idexx können Sie sich über diesen Test informieren. How to integrate UPC ratios into your practice and uncover early renal disease ist eine Videopräsentation über den neuen Idexx Test (Dauer: eine Stunde).
Mehr Informationen finden Sie bei Methoden der Früherkennung, Was bedeuten all diese Testergebnisse? und Behandlungsmöglichkeiten.
Niereninsuffizienz im Vergleich zu Nierenversagen Viele Menschen sind geschockt, wenn sie das Wort „Versagen" hören. Aber das Wort, auf das Sie sich konzentrieren sollten, lautet „chronisch": CNI ist eine Dauererkrankung, die oft behandelt werden kann. Daher benutzen einige TÄ im Frühstadium lieber die Bezeichnung „Insuffizienz". In Progression of chronic kidney disease: can it be altered by treatment? (2003) Proceedings of the 27th Waltham OSU Symposium, unterteilt Dr. Scott Brown die Nierenprobleme in Nierenerkrankung, Niereninsuffizienz und Nierenversagen. Ich habe diese verschiedenen Stadien in eine Tabelle gebracht und meine eigenen Einschätzungen des ungefähren prozentualen Verlustes der Nierenfunktion in jedem Stadium dazugestellt:
Der Prozentsatz des Nierenverlustes
Es kann passieren, dass Sie in Panik geraten, wenn Ihr Tierarzt Ihnen mitteilt, dass Ihre Katze bereits zwei Drittel oder mehr ihrer Nierenfunktion verloren hat. Regelmäßig höre ich von Menschen „mein Tierarzt hat mir gesagt, dass meine Katze 75 Prozent ihrer Nierenfunktion verloren hat, und dass es wirklich schlecht aussieht". Vielleicht hilft es Ihnen jedoch zu wissen, dass es in Wirklichkeit normal ist, dass eine CNI vor diesem Stadium nicht diagnostiziert wird. Im Kapitel Was ist CNI? finden Sie zusätzlich Informationen, warum das so ist.
Worauf Sie sich jetzt jedoch konzentrieren sollten ist die Tatsache, dass Katzen mit CNI häufig gut mit einer reduzierten Nierenfunktion weiterleben können. Bei manchen wird es erst kritisch, wenn sie über 90 Prozent der Nierenfunktion verloren haben. Und es gibt einige Katzen, denen es selbst mit erheblichen geringerer Funktion noch erstaunlich gut geht. Das Ziel ist also, sich nicht über die bereits verloren gegangene Funktion zu sorgen, sondern Ihre Katze dabei zu unterstützen mit der Rest, wie hoch sie auch sein mag, noch so lange und so gut wie möglich noch zu leben.
Was bedeutet das jetzt in der Praxis?
Es ist ja gut und schön wenn Sie wissen, in welchem Stadium Ihre Katze sich befindet, aber das hilft Ihnen im Alltag nicht viel weiter.
Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass sich Katzen in einem niedrigeren Stadium wohler fühlen und vermutlich auch weniger Behandlungen benötigen. Aber in allen Stadien sollten Sie besonders auf folgende Probleme achten: Bluthochdruck, Anämie, hoher Phosphatspiegel, niedriger Kaliumspiegel und metabolische Azidose, damit Sie diese Probleme gleich im Ansatz ausmerzen können sobald sie auftreten.
Bei der International Renal Interest Society finden Sie Vorschläge, worauf Sie achten und vorbereitet sein sollten, um jedes Stadium zu behandeln. Dort sind auch Hinweise darauf, was zu tun ist, falls eine Proteinurie oder Bluthochdruck auftreten.
In welchem Stadium auch immer Ihre Katze ist, die meisten Menschen berichten, dass sie für die Behandlung Ihrer Katze täglich nur ungefähr 20 Minuten Zeit aufwenden müssen, einschließlich der Zeit für subkutane Infusionen.
Hier kommen einige Tipps zu dem, was auf Sie zukommen kann:
Katzen in IRIS Stadium 1, Stadium 2 oder gegen Ende des 3. Stadiums Wenn sich Ihre Katze laut IRIS in Stadium 1, 2 oder bis Ende von Stadium 3 befindet, dann bedeutet das, sie ist in einem Frühstadium. Mit der richtigen Behandlung und Fürsorge und auch etwas Glück auf Ihrer Seite, kann Ihre Katze noch jahrelang leben. Die meisten Katzen, die sich in diesen Stadien befinden (Kreatinin unter 3,5 bis 4,0 in amerikanischen Maßeinheiten) benötigen noch keine subkutanen Infusionen. Sie können mit noch wenigen Maßnahmen leicht behandelt werden, die auf die individuellen Bedürfnisse Ihrer Katze zugeschnitten sind. Dazu gehört z.B. die Verhinderung von Magensäureproblemen, um Erbrechen zu vermeiden, Medikamente gegen Verstopfung und/oder die Kontrolle des erhöhten Phosphatspiegels und der Hypertonie. In jedem Fall ist es immer lebensnotwendig, dass Ihre Katze ausreichend frisst!
Katzen in Stadium 4 oder am oberen Ende von Stadium 3 Wenn Ihre Katze Stadium 4 erreicht oder am oberen Ende von Stadium 3 ist, verfallen Sie bitte nicht in Panik! Falls sie zum Zeitpunkt der Diagnose ausgetrocknet ist, insbesondere, wenn sie vorher einen Zusammenbruch erlitt, spiegeln die Blutwerte nicht den genauen Zustand der verbliebenen Nierenfunktionen wider. Erst müssen Sie Ihre Katze behandeln, insbesondere den Austrocknungszustand, damit Sie den wahren Zustand der Nieren beurteilen können.
Sogar wenn sich herausstellen sollte, dass Ihre Katze sich nach der Stabilisation tatsächlich am oberen Ende von Stadium 3 oder in Stadium 4 befindet, geben Sie bitte die Hoffnung nicht auf: Manchen Katzen geht es selbst mit nur noch einer geringen Restnierenfunktion erstaunlich gut. Und es ist durchaus möglich, dass Ihre Katze dazu gehört. Vermutlich werden Sie mehr Eigeninitiative ergreifen müssen, und Ihre Katze wird auch mehr Behandlungsmaßnahmen benötigen als Katzen mit niedrigeren Blutwerten. Aber es ist auf jeden Fall einen Versuch wert, ihr zu helfen.
Auch diese Katzen benötigen vermutlich die gleichen Behandlungsmaßnahmen wie Katzen in den niedrigeren Stadien bei der Behandlung, wie z.B. gegen zu hohe Magensäure, einen hohen Phosphatspiegel, eine Hypertonie, Verstopfung usw. Zusätzlich benötigen sie normalerweise noch regelmäßige subkutane Infusionen, um eine Austrocknung zu verhindern.
Katzen im IRIS Stadium 4 leiden auch häufig unter einer Anämie, die behandelt werden muss. Eine unbehandelte schwere Anämie ist sehr gefährlich und kann eine Katze schneller als die CNI töten. Glücklicherweise gibt es viele wirksame Behandlungsmaßnahmen bei einer Anämie. Das bedeutet, keine Katze muss an einer Anämie sterben. Im Kapitel Anämie finden Sie dazu weitere Informationen.
Die kurze, wenn auch unbefriedigende Antwort darauf, lautet: Wie lang ist ein Stück Schnur? Es ist unmöglich vorherzusagen, wie viel Zeit eine Katze noch hat oder wie lange es dauert, bis eine Katze von einem in das nächste IRIS Stadium rutscht.
In Prolonging the life of the renal failure patient (2000), Waltham Focus 10 (3), schreibt Dr. Jonathan Elliot, dass „in einer retrospektiven Studie der Zusammenhang zwischen der Höhe des Kreatinins im Blut und dem Überleben von Katzen, die zum Zeitpunkt der Diagnose stabil waren, sehr gering war. Nur auf fünf Prozent traf die anhand der ursprünglichen Plasmakreatininkonzentration vorhergesagte Überlebenszeit zu".
Survival in cats with naturally occurring chronic kidney disease (2000-2002) (2008) Boyd LM, Langston C, Thompson K, Zivin K & Imanishi M Journal of Veterinary Internal Medicine 22(5) pp1111-7 fand heraus, dass die "mittlere Überlebenszeit von Katzen im IRIS Stadium IIb zum Diagnosezeitpunkt bei 1151 Tagen lag (Referenz 2 bis 3107), und damit länger als die Überlebenszeit in Stadium III war (mittlerer Bereich 778 Tage, Referenz 22 bis 2100) oder Stadium IV (mittlere Überlebenszeit 103 Tage, Referenz 1 bis 1920)."
Aber die mittlere Überlebenszeit ist nur ein Anhaltspunkt. Bei 50 Prozent der Katzen liegt die Überlebenszeit niedriger als beim Mittelwert, und 50 Prozent leben länger. Es ist traurig, dass 50 Prozent der Katzen in Stadium 4 bei der Diagnosestellung weniger als vier Monate lebten. Aber das bedeutet auch, dass 50 Prozent der Katzen in Stadium 4 länger als vier Monate lebten. Was ich interessant finde ist, dass zumindest eine der Katzen in Stadium 4 noch 1920 Tage nach Diagnosestellung lebte, oder umgerechnet mehr als fünf Jahre!
Müsste ich verallgemeinern, dann würde ich sagen, dass Katzen, deren CNI in einem Frühstadium diagnostiziert wird, die besten Chancen haben. Viele von ihnen leben noch jahrelang. Aber wie das Kapitel Erfolgsgeschichten zeigt, überleben auch einige Katzen mit hohen Werten noch jahrelang.
Die längste mir bekannte Überlebenszeit einer CNI-Katze ist 16 Jahre nach Diagnosestellung. Im Alter von sechs Monaten wurde die Diagnose gestellt. Die zweitlängste Überlebenszeit war zwölf Jahre – die Diagnose wurde im Alter von drei Jahren gestellt.
Aber ja! Die Werte erzählen nur einen Teil der Geschichte. Vieles hängt von Ihrer Katze selbst ab. Wie krank sie zum Zeitpunkt der Diagnose ist, wie groß ihr Kampfgeist ist, wie gut sie sich behandeln lässt, und wie gut die tierärztliche Versorgung ist, die sie erhält. Manche TÄ empfehlen beinahe sofort die Euthanasie. Aber eine CNI ist normalerweise keine schmerzhafte Erkrankung (eine Austrocknung fühlt sich ähnlich wie ein Alkoholkater an, unangenehm aber nicht qualvoll). Daher besteht kein Grund, eine unwiderrufliche Entscheidung überstürzt zu treffen.
Ich kann TÄ nicht verstehen, die Aussagen wie folgende treffen: „Wenn es ihr morgen/in drei Tagen/oder welchen Zeitraum auch immer der TA erwähnt - nicht besser geht, dann müssen wir sie einschläfern" oder: „Die Blutwerte der Katze sind nicht ausreichend gefallen, wir müssen sie einschläfern." Diese Feststellungen sind grotesk, denn die Entscheidung, ob eine Katze leben oder sterben soll, beruht hier auf völlig willkürlich herangezogenen Kriterien.
Bei der überwiegenden Anzahl der Fälle muss die Katze zunächst mindestens zwei Wochen richtig behandelt werden, bevor man eine fundierte Entscheidung treffen kann. Hinzu kommt, dass die Entscheidung zur Euthanasie nur Ihnen zusteht, nicht dem TA. Denn Sie sind es, der anschließend mit den Schuldgefühlen und dem Verlust leben muss, die oft die Folge davon sind. Daher lassen Sie sich bitte nicht schon am Tag der Diagnose zu einer Einschläferung überreden, auch nicht, wenn sich nach einem Tag oder zweien am intravenösen Tropf die Blutwerte nicht verbessert haben. Denn in vielen Fällen gibt es Grund zur Hoffnung. Oft braucht die Katze nur etwas mehr Zeit, um sich durch die richtige Behandlung, zugeschnitten auf ihre individuellen Bedürfnisse, wieder zu stabilisieren.
Dieser Abschnitt beinhaltet die folgenden Möglichkeiten: Wenn die CNI bei Ihrer Katze im Frühstadium diagnostiziert wurde und/oder sie stabil ist, haben Sie in mehrfacher Hinsicht Glück, weil sie sich durch sorgfältige Überwachung und mit der richtigen Behandlung noch Monate oder sogar Jahre wohl fühlen kann. Auch für Katzen, die zwar stabil sind, aber relativ hohe Blutwerte haben – vielleicht am oberen Ende von Stadium 2 stehen (siehe oben) – gibt es noch Hoffnung: Es ist möglich, dass die Werte durch die Behandlung wieder fallen. Aber selbst wenn das nicht passiert, besteht immer noch die Möglichkeit, dass Ihre Katze einige Zeit in diesem Stadium bleibt (siehe unten). Wenn Ihre Katze stabil ist, obwohl ihre Werte im 3. Stadium liegen (siehe oben), wird sie offensichtlich gut mit der CNI fertig. Das ist eigentlich ein gutes Zeichen, trotzdem sollte mit der Behandlung so schnell wie möglich begonnen werden, falls nötig auch vorübergehend am intravenösen Tropf (IV).
Die Katze in der Krise (vielleicht am IV Tropf) Da es so schwierig ist, CNI rechtzeitig zu diagnostizieren (siehe Was ist CNI?, um den Grund zu verstehen), kann es passieren, dass Ihre Katze sich bei der Diagnosestellung bereits in einer Krise befindet. Bitte geben Sie nicht gleich den Mut auf, wenn das der Fall sein sollte. Besonders auch dann nicht, wenn Ihre Katze schon zusammengebrochen ist (siehe Symptome) und nun am Tropf hängt, wie es auch bei Thomas passierte. Viele Katzen haben bei der Diagnose katastrophale Blutwerte, oder machen plötzlich eine Krise durch, nachdem sie schon längere Zeit an CNI leiden. Das ist oft die Folge einer schweren Dehydratation (Austrocknung). Die echten Blutwerte zeigen sich erst dann, wenn Ihre Katze wieder rehydriert ist und stabilisiert wurde. Bei weniger kritischen Fällen genügen subkutane (unter die Haut) Infusionen, bei schweren Fällen durch einen intravenösen Tropf (IV). Wenn Ihre Katze an einer Infektion leidet, dann müssen Sie zuerst die unter Kontrolle bringen, bevor man sagen kann, wie kritisch die Situation wirklich ist. Auch Bluthochdruck kann die Blutwerte dramatischer erscheinen lassen als sie sind. Das wahre Ausmaß zeigt sich, sobald der Bluthochdruck unter Kontrolle gebracht wurde.
Einige Katzen mit hohen Nierenwerten leiden in Wirklichkeit an einer akuten Niereninsuffizienz (ANI) statt an CNI. ANI ist zwar schwer zu behandeln, aber wenn die Behandlung erfolgreich ist, besteht die Chance, dass die Katze wieder völlig gesund wird.
Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wie eine Katze, die aufgrund eines Zusammenbruchs wegen sehr hoher Blutwerte am intravenösen Tropf war, darauf anspricht:
Natürlich kann ich nicht vorhersagen, in welche Kategorie Ihre Katze gehört. Aber eine Behandlung ist normalerweise durchaus lohnend, insbesondere dann, wenn Ihre Katze an einer Nierenentzündung leidet, denn die Blutwerte können sich wieder verbessern, sobald die Infektion unter Kontrolle ist.
In der letzten Zeit beunruhigt mich die zunehmende Zahl von Tierärzten, die lediglich einen Tag intravenöser Flüssigkeitstherapie anbieten und dann den Betroffenen zur Euthanasie raten, wenn sich die Werte der Katze nach dieser kurzen Behandlungszeit nicht verbessert haben. In den meisten Fällen ist dies meiner Meinung nach unangebracht. Sicher, es kann nicht jede CNI-Katze gerettet werden. Aber die Euthanasie ist eine unwiderrufliche Entscheidung, bei der Sie sich sehr sicher sein sollten. Für die meisten Menschen bedeutet das, dass sie ihrer Katze jede mögliche Chance ermöglichen möchten.
Für eine schwerkranke Katze sind nur ein oder zwei Tage am Infusionstropf einfach nicht lange genug. Thomas war vier ganze Tage und Nächte am Tropf. Erst am dritten Tag fing er wieder an, ein wenig zu fressen. Thomas’ Werte verbesserten sich jedoch gar nicht unter den IV-Infusionen. Sein Harnstoff lag bei 89 (BUN: 241) zum Zeitpunkt der Diagnosestellung, und dieser Wert verbesserte sich auch tatsächlich nicht nach vier Tagen und Nächten am Tropf. Bei einigen Katzen verschlechtern sich sogar manchmal noch die Blutwerte während sie am Tropf hängen. Geraten Sie dann bitte nicht gleich in Panik! Ihre Katze wurde nicht über Nacht so schwer krank, und es geht ihr nach zwei oder drei Tagen Behandlung nicht unbedingt gleich besser.
Meine TÄ glaubte, dass Thomas in Kategorie 5 fallen wurde. Aber in Wirklichkeit war er in Kategorie 2. Aber es ging ihm doch sichtlich besser nach den vier Tagen. Nach weiterer Behandlung zu Hause erholte er sich den nächsten paar Wochen bis seine Werte auf Harnstoff 27 (BUN: 76) und Kreatinin 316 (US: 3.57) gefallen waren, wo sie einige Monate lang stabil blieben.
Selbst wenn Ihre Katze sich in Kategorie 4 befinden sollte, würde ich Ihnen empfehlen sicherzustellen, dass sie eine angemessene Behandlungszeit am Tropf erhält und auch eine vernünftige Chance zur Stabilisierung zu Hause. Der Aufenthalt beim Tierarzt ist für die meisten Katzen sehr stressig, häufig benötigen sie einige Tage der Rekonvaleszenz zu Hause, bevor es ihnen besser geht.
Wenn sich die Blutwerte nach einer Zeit der Stabilität wieder verschlimmern Wenn wir einen Vergleich gebrauchen und sagen, dass eine CNI-Katze gleichsam droht, in einen Abgrund zu fallen, fällt auf, dass sich bei ziemlich vielen CNI-Katzen die Blutwerte in Phasen verschlechtern. Ganz so, als ob man dem Abgrund immer einen Schritt näher kommt. Aber die Katze kann auch nach jedem Schritt für einige Zeit stabil bleiben. Thomas, zum Beispiel, blieb in Phase 2 (siehe oben) mit einem Kreatininwert von 318 (US: 3,57) - fast doppelt so hoch, wie der Normalwert - für sechs Monate. Dann erst rückte er einen Schritt weiter, kam aber wieder einige Monate mit einem Kreatininwert von 627 (US: über 7) gut zurecht und hatte während dieser Zeit eine sehr hohe Lebensqualität. Bei anderen Katzen müssen sich nicht unbedingt solche extremen Änderungen zeigen, es können auch allmähliche Verschlechterungen auftreten, vielleicht liegt ein Jahr oder gar länger dazwischen.
Wenn wir den Krankheitsverlauf einer CNI mit der Annäherung an einen Abgrund vergleichen, dann fällt auf, dass sich bei ziemlich vielen CNI-Katzen die Blutwerte in Phasen verschlechtern. Ganz so, als ob sie sich dem Abgrund schrittweise nähern. Aber nach jedem Schritt folgt dann oft wieder eine Weile der Stabilität. Thomas, zum Beispiel, verharrte in Stadium 2 (siehe oben) bei einem Kreatininwert von 318 (US: 3,57) - das ist fast doppelt so hoch wie der Normalwert - über sechs Monate. Erst dann rückte er einen Schritt weiter, kam aber wieder ein paar Monate mit einem Kreatininwert von 627 (US: über 7) gut zurecht und erfreute sich während dieser Zeit einer sehr hohen Lebensqualität. Bei anderen Katzen zeigen sich nicht unbedingt solche extremen Veränderungen, die Verschlechterungen können auch allmählich auftreten und die Abstände ein Jahr oder sogar länger dauern.
Wenn Ihre Katze bereits hohe Blutwerte hat und diese sich noch verschlechtern, dann versuchen Sie, sich nicht zu sehr entmutigen zu lassen. Kreatinin ist keine lineare Maßeinheit. Die Verschlechterung eines ohnehin bereits ziemlich hohen Kreatininwertes ist daher nicht so schrecklich wie es zuerst aussieht. Im Kapitel Was bedeuten all diese Testergebnisse? finden Sie ausführlichere Erklärungen dazu.
Aber auch wenn sich die Blutwerte Ihrer Katze plötzlich verschlechtert haben, geben Sie bitte die Hoffnung noch nicht auf. Überarbeiten Sie den Behandlungsplan, fügen Sie gegebenenfalls weitere Behandlungsmaßnahmen hinzu (eventuell auch einige Zeit am intravenösen Tropf, falls die Blutwerte hoch sind, und Ihr Tierarzt dem zustimmt) und arbeiten Sie eng mit Ihrem Tierarzt zusammen. Es kann durchaus möglich sein, dass Ihre Katze sich trotz hoher Blutwerte wieder stabilisiert. Wenn sich der Phosphatspiegel Ihrer Katze verschlechtert, ist es ganz besonders wichtig, dass Sie ihn unter Kontrolle bekommen, denn ein hoher Phosphatspiegel kann den Verlauf der Krankheit beschleunigen, und außerdem fühlen sich viele Katzen dadurch sehr unwohl.
Wenn sich die Blutwerte plötzlich verschlechtern Bitte geraten Sie nicht in Panik, wenn sich die Blutwerte Ihrer Katze plötzlich verschlechtern. Es kann bedeuten, dass sich die CNI verschlimmert, aber es gibt noch eine Reihe anderer möglicher Ursachen. Infektionen, ganz besonders Nierenbeckenentzündungen, können eine Verschlechterung der Blutwerte verursachen, genau wie Nierensteine. Viele Katzen mit unkontrolliertem erhöhten Blutdruck können auch dadurch eine Verschlechterung der Blutwerte erleiden, die sich wieder verbessern, sobald der Hochdruck unter Kontrolle gebracht wurde. Wenn der Phosphatspiegel Ihrer Katze hoch ist, ist es ganz besonders wichtig, dass Sie ihn unter Kontrolle bekommen, denn er kann die CNI beschleunigen und ebenfalls dafür verantwortlich sein, dass viele CNI-Katzen sich schlecht fühlen.
Bitte geraten Sie nicht in Panik, wenn sich die Blutwerte Ihrer Katze plötzlich verschlechtern. Das kann bedeuten, dass sich die CNI verschlimmert, aber es gibt noch eine Reihe anderer möglicher Ursachen. Infektionen, ganz besonders Nierenentzündungen, können eine Verschlechterung der Blutwerte verursachen, genau wie Nierensteine. Durch eine Ultraschalluntersuchung kann festgestellt werden, ob eine dieser Ursachen vorliegt.
Bei vielen Katzen mit unkontrolliert erhöhtem Blutdruck können auch dadurch Verschlechterungen der Blutwerte auftreten, die sich wieder verbessern, sobald der Hochdruck unter Kontrolle gebracht wurde.
Wenn der Phosphatspiegel Ihrer Katze zu hoch ist, ist es ganz besonders wichtig, dass Sie ihn unter Kontrolle bekommen, denn das beschleunigt den Verlauf der CNI, außerdem geht es vielen CNI-Katzen damit sehr schlecht.
Wenn eine Katze mit niedrigen Blutwerten sich krank fühlt Ich würde erwarten, dass eine Katze mit niedrigen Blutwerten (Kreatinin unter 3,5, Stadium 1, 2 und im unteren Bereich von Stadium 3 nach dem IRIS Einstufungssystem) noch nicht krank erscheint. Diese Katzen erbrechen hin und wieder oder haben Durchfall, manchmal wollen sie auch nicht fressen, aber im Großen und Ganzen geht es ihnen gut, so lange sie nicht ausgetrocknet sind und genug fressen.
Wenn daher Ihre Katze trotz niedriger Blutwerte Anzeichen einer Erkrankung zeigt (lethargisch ist und generell krank wirkt), und auch dann noch, wenn die offensichtlichen Probleme bereits behandelt wurden, dann sollten Sie Ihren TA auf mögliche andere Ursachen ansprechen. Viele Katzen mit Bluthochdruck fühlen sich krank, aber sobald ihr Blutdruck wieder normal ist, geht es ihnen wieder gut. Mein Ollie hatte niedrige Nierenwerte (Kreatinin lag bei 2,8), aber er litt ziemlich oft unter Durchfällen. Es stellte sich dann heraus, dass sie von einer Schilddrüsenüberfunktion verursacht wurden, und sie verschwanden, als die Schilddrüse wieder unter Kontrolle war.
Viele Katzen, die ständig krank wirken, obwohl ihre offensichtlichen Probleme behandelt werden, leiden an einem gastrointestinalen Problemen wie z.B. inflammatory bowel disease (IBD) (IBD, eine chronische Darmentzündung), Pankreatitis oder Krebs (Lymphom). Daher wäre es in einem solchen Fall ratsam, einen Ultraschall der Bauchorgane zu veranlassen, um diese Ursachen ausschließen zu können.
Behandeln Sie die Katze, nicht die Blutwerte
In Prolonging the life of the renal failure patient (2000), Waltham Focus 10 (3), schreibt Dr. Jonathan Elliot, dass „in einer retrospektiven Studie die Übereinstimmung zwischen dem Kreatininwert im Blut und der Prognose der Überlebenszeit von Katzen, die zum Zeitpunkt der Diagnose stabil waren, sehr gering ist. Nur auf fünf Prozent traf die aufgrund des Blutkreatininwertes zu Behandlungsbeginn geschätzte Überlebenszeit zu". Die Blutwerte sind also wichtig, aber sie sind nicht alleine entscheidend.
Dies führt uns zum Mantra Tanyas CRF Support Gruppe (meiner Nierengruppe): „Behandle die Katze, nicht ihre Blutwerte!" Selbstverständlich ist es immer noch wichtig, dass Sie alles tun was Sie können, um die Blutwerte zu verbessern und alle auftretenden Probleme zu behandeln. Dadurch wird sich Ihre Katze nicht nur besser fühlen, es wird auch ihre Chancen auf ein längeres Leben erhöhen. Dieses Mantra will einfach nur betonen, dass es vielen Katzen trotz schlechter Blutwerte erstaunlich gut geht. Es gibt keine Garantien, und es ist eine Gratwanderung, aber normalerweise lohnt sich ein Therapieversuch. Natürlich müssen Sie dabei auch die Persönlichkeit Ihrer Katze beim Kampf gegen CNI in ihre Überlegungen mit einbeziehen.
Einige Tierärzte meinen, dass Katzen, deren Werte in Kategorie 2 von Dr. Browns Einteilung fallen, hohe Blutwerte und daher eine sehr schlechte Prognose haben. In Tanya's CRF Support Gruppe werden diese Zahlen nur als „mittlere Werte" angesehen. Tatsächlich haben viele Katzen der Gruppenteilnehmer drei, vier Jahre oder sogar noch länger mit Werten der Kategorie 2 gelebt. Katzen mit solchen Blutwerten sollten eigentlich in die Kategorie „Niereninsuffizienz" und nicht in die mit „Nierenversagen" eingeteilt werden.
Dr. Katherine James schreibt, dass sich die meisten Menschen für die Euthanasie entscheiden, wenn sich die Kreatininwerte konstant zwischen 600 und 900 bewegen (US: 7.5 bis 10), und es den Katzen wirklich schlecht geht. Das ist jedoch nur eine grobe Richtlinie. Katzen in Phase 3, die trotz intravenöser Therapie und ausreichender Rehydrierung sehr hohe Blutwerte haben, sprechen trotzdem manchmal noch sehr gut auf eine Behandlung an und genießen noch mehrere Monate bei guter Lebensqualität. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn sich ihre Werte nur langsam über einen längeren Zeitraum verschlechtert haben, und ihre Körper dadurch Zeit hatten, sich an eine reduzierte Nierenfunktion zu gewöhnen. Selbst für Katzen, die sich zum Zeitpunkt der Diagnose in einer Krise befinden, gibt es immer noch Hoffnung: Vet Info schildert den Fall einer Katze mit CNI, die noch weitere acht Jahre lebte obwohl sie sich zu Beginn der Behandlung in einer Krise befand (klicken Sie auf „Kidney Failure: Daily Fluid Treatment").
Im Kapitel Erfolgsgeschichten werden die Geschichten einiger CNI-Katzen in verschiedenen Stadien der Krankheit erzählt, die noch ein glückliches, und in vielen Fällen auch langes, Leben führen konnten incl. der Geschichte von Paris, dere ihre Diagnose 16 Jahre überlebte.
Das Endstadium der Nierenerkrankung
Dieser Ausdruck bedeutet im wahrsten Sinne des Wortes, dass die Nieren der Katze vollkommen versagen, und dass es nichts mehr gibt, was getan werden kann. Einige TÄ benutzen diesen Ausdruck auf diese Weise, d.h.für eine Katze, die sehr schnell nicht mehr in der Lage ist, gegen die CNI anzukämpfen, nicht mehr auf Behandlungen anspricht und vermutlich bald sterben wird. Andere TÄ aber nennen so jede Katze mit Blutwerten im Stadium 2 oder 3 (siehe oben). Das bedeutet aber keineswegs, dass der Tod nur noch wenige Tage entfernt ist – manche Katzen können mit der Krankheit noch sehr gut einige Zeit leben.
Versuchen Sie herauszufinden, was genau Ihr TA mit dem Ausdruck „Endstadium Nierenversagen" meint, ob er/sie lediglich ausdrücken möchte, dass Ihre Katze hohe Blutwerte hat. Ziehen Sie die Behandlung Ihrer Katze in Erwägung, denn die Blutwerte können durch eine Behandlung runtergehen, und selbst wenn das nicht so ist, kann Ihre Katze möglicherweise mit hohen Blutwerten gut leben, so wie es bei Thomas war. Selbst wenn Ihr TA glaubt, dass der Tod bevorsteht, wäre es trotzdem auf jeden Fall einen Versuch wert, Ihre Katze zu behandeln, um zu sehen, ob sie darauf anspricht. Katzen sind wirkliche Kämpfer und können sich durchkämpfen.
Auf gar keinen Fall wollen Sie aber, dass ihre Katze Schmerzen leidet wenn es sich um eine hoffnungslose Situation handelt. Es ist nicht einfach zu sagen, wann eine an CNI erkrankte Katze am Ende ihres Lebensweges angekommen ist. Im Kapitel Die letzten Stunden finden Sie ausführliche Beschreibungen der Symptome, die gegen Ende der Krankheit auftreten können. Hilfe für die schmerzhafte Entscheidung des Abschieds finden Sie in dem Kapitel Der Abschied.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Diese Seite zuletzt überarbeitet: 04. November 2010
Die Links auf dieser Seite wurden
zuletzt überprüft: 15. Januar 2008
Copyright The UK Feline CRF Website
2000-2007. Alle Rechte sind gesichert.
Sie dürfen sich eine Kopie dieser
Website zu Ihrer eigenen Information machen und/oder eine Kopie ihrem
Tierarzt geben, aber diese Website darf ohne Genehmigung des
Seiteninhabers auf andere Weise weder reproduziert, noch ausgedruckt
werden, weder im Internet, noch auf anderen Medien. Der Seiteninhaber kann
über die Wie sie mit uns Kontakt aufnehmen können kontaktiert werden.
***
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||