Einführung
Tanya und Thomas waren zwei meiner Katzen, die beide
CNI bekamen. Obwohl sie beide dann auch an dieser Krankheit starben, waren
sowohl ihre Erfahrungen als auch ihre Lebensqualität während der Krankheit
sehr unterschiedlich. Tanyas Geschichte folgt gleich anschließend, klicken
Sie hier, um Thomas
Geschichte zu lesen.
Tanyas Geschichte
Tanya war eine blaue
Perserkatze, die im Alter von nur zehn Wochen in unser Leben eintrat. Sie
war eine fröhliche Katze, die sich guter Gesundheit erfreute, obwohl sie
ziemlich zierlich war (ihr durchschnittliches Gewicht lag ihr Leben lang
ungefähr bei 6 Pfund). Ihr einziges wirkliches Gesundheitsproblem war hin
und wieder ein Zahnabszess. Der quälende Zahn mußte dann jedesmal gezogen
werden. Sie hatte drei solcher Zahnextraktionen im Laufe der Jahre.
Im September 1998, sie war zwölf Jahre alt, gingen wir
mit Tanya wieder zum Tierarzt, damit dort die jährliche Impfung und eine
Gesundheitsüberprüfung gemacht werden konnte. Bereits früher im Jahr war
ihr Fell, das vorher wundervoll und glänzend gewesen war, trocken
geworden, und es traten Schuppen auf, die der Tierarzt jedoch auf ihr
fortgeschrittenes Alter schob. Während dieses Tierarzt-Besuchs dachte der
Tierarzt
jedoch, dass sie die ersten Anzeichen von CNI zeigen könnte. Er war jedoch
der Meinung, dass in diesem Stadium nichts gemacht werden könne – sie
würde entweder noch weitere fünf Wochen leben oder fünf Jahre. Das
schockierte uns sehr. Da Tanya jedoch einen stabilen Eindruck machte,
hofften wir natürlich, sie würde es schaffen und weitere fünf Jahre leben.
Ende Oktober 1998 gingen wir wieder zum Tierarzt, da sie noch
mehr Gewicht verloren hatte und ihre Wirbelsäule hervorstach und knochig
war. Dieses Mal gingen wir zu einer anderen (weiblichen) Tierärztin und eine
Blutuntersuchung wurde veranlasst. Danach teilte die Tierärztin uns mit, dass
Tanya an CNI erkrankt ist. Sie war der Meinung, dass Tanya kein Jahr mehr
überleben würde – und mein Herz brach. Tanya erhielt Steroide und
Antibiotika und Nierendiät als Behandlung.
Tanya verfiel sehr schnell. Bald schon verlor sie ihren
Appetit und eine Menge an Gewicht. Sie entwickelte üble Mundgeschwüre und
Muskelschwäche. Außerdem traten Zeichen von Herzgeräuschen auf. An
besonders schlechten Tagen fütterten wir sie per Spritze ins Mäulchen.
Trinken war für sie extrem wichtig geworden, vorzugsweise aus dem
Spülbecken.
Tanya hielt durch und überlebte Weihnachten 1998 (wo
sie noch ihren Weihnachtstruthahn genoss) und auch noch Neujahr. Zu diesem
Zeitpunkt erhielt sie jeden zweiten Tag Steroidinjektionen von der
Tierärztin. Am
10. Januar mussten wir feststellen, dass Tanya plötzlich keinen Urin mehr
absetzen konnte, ihre Nieren hatten völlig dichtgemacht. Die Tierärztin kam
freundlicherweise in unser Haus und schläferte Tanya ein. Wir haben Tanya
im Garten begraben, den sie so sehr liebte. Als sie starb wog sie nur noch
3 Pfund. Und unsere Herzen waren gebrochen.
Bitte klicken Sie hier, wenn sie auf
Tanyas
Gedächtnisseite wollen.
Thomas Geschichte
Thomas,
ein EKH, war ein Streuner aus der Nachbarschaft. Er lebte bereits da als
wir 1994 einzogen. Tanya erlaubte Thomas keinen Zutritt in ihren Garten,
und er rannte vor uns davon, wenn wir versuchten, uns ihm zu nähern.
Unsere Nachbarin fütterte ihn täglich. Sie erzählte uns, dass er ein
Wildling sei, und dass auch sie ihm nicht zu nahe kommen konnte.
Im Frühjahr 1999 teilte uns die Nachbarin mit, dass sie
in ein Altersheim ziehen würde. Da entschieden wir uns, es zu versuchen, Thomas einzufangen und wenn möglich zu zähmen, um ihm ein ordentliches
Zuhause zu bieten. Wir brauchten mehr als eine Woche, er war sehr
gerissen. Während dieser Versuche fiel mir auf, dass er einen sehr
durchdringenden Geruch verströmt.
Im Juni 1999 fingen wir Thomas ein und brachten ihn zum
Tierärztin. Dort wurde dann festgestellt, dass der Geruch von schwer
vereiterten Zähnen stammt, drei mussten gezogen werden. Aber abgesehen
davon war er ziemlich gesund. Seine Nierenwerte waren leicht erhöht, aber
meine Tierärztin
schob das auf die Aufregung des Eingefangen werdens. Die Werte
normalisierten sich später auch wieder.
Bald darauf stellten wir fest, dass Thomas keineswegs
ein Wildling war. Er liebte es, mit uns zu leben und fügte sich gut ein.
Im November hatte er jedoch einen Unfall, der eine Operation erforderlich
machte. Bei der voroperativen Blutuntersuchung fand meine Tierärztin heraus, dass
Thomas Nierenwerte haushoch waren. Sie empfahl eine spezielle Nierendiät
und regelmäßige Steroidinjektionen alle drei bis vier Wochen.
Seine erste Steroidinjektion bekam Thomas Anfang
Dezember. Er weigerte sich beharrlich, die Nierendiät zu fressen, und er
verhielt sich völlig normal, zeigte keinerlei Anzeichen der Krankheit bis
zum Wochenende vom 18. auf den 19. Dezember.
Am Samstag war er schon kaum noch an seinem Futter
interessiert, obwohl er am Abend etwas Fisch zu sich nahm. Am Sonntag dann
verweigerte er jegliche Futteraufnahme, und am Abend wollte er dann noch
nicht mal mehr trinken. Er saß da in einer Kauerstellung, und sein Atem
hatte einen sehr bestimmten und unangenehmen Geruch. Er war
zusammengebrochen und wir hätten ihn über das Wochenende als Notfall
stationär einliefern sollen, aber damals wusste ich noch nicht, dass es
ein Notfall war.
Sobald die Tierärztin Montagmorgen ihre Praxis öffnete waren
wir bei ihr. Thomas war ernsthaft ausgetrocknet, und meine Tierärztin schloss ihn
an einen intravenösen Tropf an. Sie testete seine Blutwerte, sie waren
unglaublich hoch (Harnstoff 86 – US: BUN 241); außerdem er war stark
anämisch (sein Hämatokritwert lag bei 20%. Da er aber ausgetrocknet war,
lag er vermutlich in Wirklichkeit noch sehr viel niedriger). Sie war der
Meinung, dass er sterben würde, wenn wir ihn nicht zum Futtern überreden
könnten. Und selbst wenn er äße, stünde es immer noch Spitz auf Knopf. Sie
befürchtete, dass er, sobald er vom Tropf käme, wieder einen Zusammenbruch
erleiden könnte.
Als Tanya so krank war, waren wir noch nicht online,
jetzt aber schon. Ich ging also nach Hause und suchte im Internet und fand
Hilfe online. Mir wurde subkutane Infusionen empfohlen sobald
Thomas vom Tierärztin nach Hause käme. Ich sprach mit meiner Tierärztin, die anfangs
ziemlich skeptisch der Idee gegenüber stand, letztlich aber gab sie dann
ihre Zustimmung und lehrte mich, wie ich sie zu Hause verabreichen kann.
Thomas hing vier ganze Tage und Nächte am Tropf.
Traurigerweise sanken seine Werte jedoch nicht. Sein Harnstoff war immer
noch 86 (US: BUN 241). Wenigstens hatte er aber wieder angefangen etwas zu
essen. Heiligabend haben wir ihn dann wieder nach Hause geholt, er
futterte gut und schien einigermaßen gesund zu sein. Alles ging gut, aber
dann zu Silvester bekam ich leider die
Grippe und war nimmer in der Lage, ihm seine Infusionen zu geben. Das
Ergebnis war, dass er erneut zusammenbrach und am 6. Januar wieder an den
intravenösen Tropf angeschlossen wurde. Diesmal für drei Tage.
Nachdem Thomas wieder zu Hause war, war seine Anämie
sehr ernst, er war äusserst schwach, und alles was er essen wollte, war
Schinken. Mit einigen der Behandlungsmethoden, die wir gelernt hatten,
hielten wir durch und heute (Juli 2000) geht es Thomas wirklich gut, und
das schon seit einigen Monaten. Seine Blutwerte haben sich verbessert, und
die CRF-Liste betrachtet seinen Krankheitszustand als „medium". Er futtert
gut, putzt sich selber, geht spazieren, und wenn Sie ihn anschauen, würden
Sie nie vermuten, dass er an einer unheilbaren Krankheit leidet.
Schlussfolgerung
Ich möchte hier nicht den Eindruck vermitteln, dass ich
meine Tierärztin in irgendeiner Art und Weise für die Behandlung verantwortlich
mache, die Tanya erhielt. Das ist nicht der Fall. Meine Tierärztin war sehr
professionell und unterstützend und jederzeit bereit, für uns über ihre
Grenzen hinauszugehen. Sie war bereit, mich die Behandlungsmethoden
ausprobieren zu lassen, die ich für Thomas herausfand trotz ihrer
anfänglich skeptischen Haltung. Es gibt keine Möglichkeit zu wissen, ob
diese Methoden auch Tanya geholfen hätten. In Anbetracht ihrer
Herzprobleme wäre sie wahrscheinlich sowieso keine geeignete Kandidatin
dafür gewesen.
Eines weiß ich jedoch: Wenn Thomas stirbt, dann werde
ich das gute Gefühl haben zu wissen, dass ich mit der Hilfe meiner
Tierärztin in
der Lage war, sein Leben um Monate zu verlängern (vielleicht sogar um
Jahre), und dass es ein gutes und lebenswertes Leben war.
Nachtrag August 2000
Mit großer Trauer muss ich schreiben, dass wir Thomas
am 11. August 2000 verloren haben. Seine Blutwerte zeigten Ende Juli eine
dramatische Verschlechterung an. Es war sowohl für uns als auch für unsere
Tierärztin ein echter Schock, da er sich so wohlzufühlen schien. Er brach
plötzlich am 10. August zusammen, und wir trafen die schmerzliche
Entscheidung, ihn am 11. August gehen zu lassen. Es war offensichtlich,
dass er diesesmal nicht mehr kämpfen konnte. Die Tierärztin kam zu uns nach Hause
und half ihm über die Brücke – es war sehr friedlich. Bis zum 10. August
hatte er sich wie eine völlig gesunde Katze benommen. Am 9. August hatte
er sogar noch einen sehr langen Spaziergang unternommen und wieder zu
Hause angekommen, genoss er ein sehr umfangreiches Abendbrot (Thomas
Appetit war immer sehr gut, abgesehen nur von der Zeit, als seine Anämie
so ernst war). Obwohl es für uns ein Schock war, so bin ich doch froh
für Thomas, dass er bis zu seinem Ende das Leben genießen konnte, und dass
er den letzten Tag damit verbrachte, in den Garten zu sehen, den er so
liebte.
Meine Vorhersehung oben hat sich als richtig erwiesen:
Obwohl wir Thomas ganz schrecklich vermissen, haben wir keine
Schuldgefühle. Wir wissen, dass wir unser bestes für ihn getan haben, und
sowohl er als auch wir haben das Jahr 2000 genossen, das Jahr, von dem wir
befürchteten, dass er nicht lange genug leben würde, um es zu sehen. Wenn
ich gewusst hätte, dass er uns in diesem Jahr verlassen würde (es schien
so unwahrscheinlich zu dem Zeitpunkt, als ich anfing, diese Webseite zu schreiben),
dann hätte ich diese Seite nicht ausschließlich Tanya zu Ehren benannt.
Thomas lehrte mich soviel über das Leben und die Liebe und über Stärke und
Nicht-Aufgeben. Meine Tierärztin sagte, er sei die tapferste Katze gewesen, die
sie je kannte. Thomas versetzte mich außerdem dazu in die Lage, alles über
CNI zu lernen was ich jetzt weiss. Und diese Webseite ist ebenso ein
Tribut an ihn wie an Tanya.
Eines Tages, wenn ich mich dazu imstande sehe, werde
ich für ihn eine Gedächtnisseite schaffen. Zur Zeit ist es noch zu
schmerzlich.
Hier ist Thomas im Mai 2000 (in Wirklichkeit hat er
Ohren, ich habe sie ihm nur versehentlich abgeschnitten!)
Diese Bilder von Thomas wurden Anfang August 2000
aufgenommen, ungefähr eine Woche bevor er starb. Ich denke, sie zeigen
sehr schön, wie gut eine Katze sogar kurz vor dem Tod aussehen und sich
fühlen kann, wenn sie richtig behandelt wird.
|
"'Cause I
miss you, body and soul, so strong
That it takes
my breath away.
And I breathe
you into my heart
And pray for
the strength to stand today.
'Cause I love
you, whether it's wrong or right,
And though I
can't be with you tonight,
You know my
heart is by your side"
|
Weil ich
Dich vermisse, Körper und Seele, so sehr,
Dass es mir den Atem raubt.
Ich atme dich ein in mein Herz
Und bete um die Stärke, es auch heute zu ertragen.
Weil ich dich liebe,
sei es nun richtig oder falsch,
Und obwohl ich nicht bei dir sein kann heute Nacht
weisst Du, dass mein Herz bei Dir ist"
|
Daniel
Bedingfield
Und in liebevoller Erinnerung an Alex
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